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Robert Sturm
Kauernde Aphrodite. Die Bedeutung des Bildmotivs in der antiken und postantiken Kunst
 
Hamburg: Dr. Kovac 2015, 172 S. (= Studien zur Geschichts­forschung des Altertums Bd. 31), EUR 77.80

Die Göttin Aphrodite repräsentierte ein beliebtes Motiv der antiken Bildhauerkunst. Seit Praxiteles mit seiner berühmten Knidia gingen die griechischen Skulpteure vermehrt daran, die Liebesgöttin in nackter oder halb nackter Pose nachzuzeichnen. Dieses Sujet erfuhr in der hellenistischen Kunstepoche in mehrerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung. Einerseits begann man, Aphrodite als eine in den Raum übergreifende, vielansichtige Figur zu verstehen, die in einer speziellen Beziehung zum Beobachter steht; andererseits zeigte man die Göttin nicht mehr ausschließlich in stehender Pose mit klassischem Kontrapost, sondern bildete sie in verschiedenen Situationen, etwa beim Auspressen der Haare, beim Ausziehen der Sandale oder in hockender Position beim Bad ab. Dieses Motiv der kauernden Aphrodite wurde ursprünglich mit einem bithynischen Künstler namens Doidalses in Verbindung gebracht, dessen Schaffensperiode in die Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts gefallen sein soll.

Im römischen Kopistenwesen gelangte die kauernde Aphrodite zu wahrer Blüte; zahlreiche Patrizierfamilien ließen eine entsprechende Skulptur in Auftrag geben und nach deren Fertigstellung im Haus oder in der Gartenanlage aufstellen. Nachdem das Motiv der hockenden Liebesgöttin im Mittelalter keinerlei Bedeutung besessen hatte, jedoch der Habitus per se in der Flächenkunst allerlei Nachahmungen erfahren hatte, erlebte es ab der Renaissance eine beeindruckende Wiederauferstehung. Zierten Figuren der in dieser speziellen Pose gezeigten Göttin im 17. und 18. Jahrhundert noch ausschließlich die Gärten und Paläste der Aristokratie, so drangen sie ab dem 19. Jahrhundert vermehrt in den bürgerlichen Bereich ein, wo sie in allerlei Abwandlungen zu beliebten Anschauungsobjekten avancieren.

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