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Daniel Smutek
idem sacra cano. Komik und Mehrdeutigkeit in Ovids Fasti
 
Hamburg: Dr. Kovač 2015, 316 S. (= Schriften­reihe altsprach­liche Forschungsergebnisse Bd. 11), EUR 98.80

Die Fasti, die laut Ovids programmatischer Ankündigung über die Ursprünge römischer Festtage berichten, zählten lange mit zu den am wenigsten lesenswerten Werken Ovids. Insbesondere der Vorwurf, dass der Dichter sich nur unzureichend mit der religiösen Materie seines Kalender­kommentars auseinandersetze, führte dazu, dass die Forschung Ovids aitiologischem Lehrgedicht eher kritisch gegenüber stand. Erst ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl sowohl altphilologischer als auch althistorischer Publikationen, wobei aus altphilologischer Perspektive wesentlich erscheint, dass der Kalenderkommentar nunmehr auch als literarisches und nicht mehr nur als wissenschaftliches Werk akzeptiert wurde.

Die vielfältigen Aspekte der Fasti, die Kombination von religiösen, mythischen, historischen und zeitgenössischen Themen, noch dazu der Genremix aus Elegie und Epos, eröffnen dem Leser dabei ein breites Spektrum an Interpretationsmöglichkeiten, was nicht zuletzt an Ovids Neigung liegt, trotz didaktischen Anspruchs immer wieder mehrdeutige Äußerungen zu integrieren. Diese können, je nach individuellem Verständnis, auch als komisch aufgefasst werden. Da es keine allgemein akzeptierte Definition dessen gibt, was komisch ist, ist ein komik­theoretischer Zugang allerdings immer subjektiv.

Mögen einige Episoden des Kalenderkommentars, etwa die Erzählungen um Priapus oder Faunus, auch ohne komiktheoretische Analyse amüsant sein, so enthalten sie dennoch auch eine zweite komische Facette, die sich erst bei genauer sprachlicher Untersuchung erschließt. Ebenso erfährt die Verwendung des poetischen Plurals eine komische Note, wenn die persona des Dichters auf die körperliche Anomalie des zweiköpfigen Gottes Janus anspielt. Subversiv wirkt Ovid, wenn er Romulus und Augustus gegenüber stellt und sich dabei Vergleichskriterien bedient, die den princeps so eindeutig ins positive Licht rücken, dass das Lob ironisch wirkt. Unerwartet, aber der Chronologie des Kalenders geschuldet, erscheint auch der Kriegsgott Mars in dem im elegischen Distichon verfassten Lehrgedicht, was Ovid humorvoll zur poetologischen Standortbestimmung nutzt. Dabei gilt es aber immer zu berücksichtigen, dass Ovid nicht über die Protagonisten epischer Szenarien wie Romulus oder Herkules spottet, sondern vielmehr die normative Erwartungshaltung gegenüber dem epischen Helden karikiert. Dass Ovid auch in einem Kalenderkommentar, der sich vorgeblich einer area maior zuwendet, an sein Vorleben als Liebesdichter anknüpft, unterstreicht der Dichter nicht zuletzt in zahlreichen erotischen Episoden. Die Göttin Venus entlockt ihm in einem Dialog das mehrdeutige Bekenntnis, dass der Tenor der Amores oder der Ars amatoria augenscheinlich in den Fasti fortlebt, was der Dichter im Proömium des zweiten Fastenbuchs, ebenfalls mehrdeutig, bereits ankündigte: idem sacra cano...

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