CMA Logo
 
Gabriele Olveira
Substanz denken – philosophische Untersuchungen zu Aristoteles und A.N. Whitehead
 
Hamburg: Dr. Kovac Verlag 2014, 504 S. (= BOETHIANA - Forschungsergebnisse zur Philosophie Bd. 106), EUR 139.80

Es ist Aufgabe der Philosophie, über Grundworte nachzudenken. Ein solches ist die „Substanz“. Substanz, griech. Ousia, ist spätestens seit dem 20. Jh. als „starres, isoliertes Wirklichkeitsklötzchen“ vehement in Misskredit geraten. Doch die Versuche, sie aus dem Repertoire der philosophischen Grundbegriffe zu verabschieden, sind weitgehend unbefriedigend – sie übersehen Vielschichtigkeit und Facettenreichtum des von Aristoteles geprägten Begriffs.

Entitäten, die uns im Alltag begegnen, nehmen wir als eigenständig und relativ beständig wahr. Auf den zweiten Blick erweisen sie sich jedoch als sich permanent Verändernde. Lebewesen etwa stehen in kontinuierlichem Austausch mit ihrer Umgebung, wechseln unaufhaltsam ihre Eigen­schaften. Warum sind sie aber heute noch dieselben wie gestern? Wie kann ständig sich Veränderndes Identität besitzen? Muss nicht auch dem Werdenden und sich Wandelnden etwas Bleibendes zugrundeliegen? Veränderung ist nur denkbar, wenn etwas da ist, das sich verändert. Permanenz und Wandel und weiter die Differenz von Einheit und Vielheit, von Sein und Werden gehören unauflöslich zusammen. Es muss also eine Einheit geben, die den „Dingen“ Bestimmtheit und Beständigkeit verleiht, die die Vielzahl von mentalen und körperlichen Prozessen übergreift: eine ousia als Voraussetzung allen prozessualen Geschehens.

Die Gegenüberstellung zweier sich augenscheinlich radikal wider­sprechender Ontologien führt vor Augen, dass Whitehead als Vertreter einer modernen Prozessontologie und Aristoteles gar nicht so weit auseinanderliegen, wenn ousia als denknotwendiges Fundament des Verhältnisses von Dauer und Veränderung begriffen wird – als geistiger und physischer Grund natürlicher Entitäten, als synthetisierendes Zentrum mannigfaltiger Veränderung: ausdehnungslos, nicht lokalisierbar, eine Art Organisationsprinzip.

Antrag auf Rezension
Name
E-Mail
weiteres
 
Band 20 (2017) Band 19 (2016) Band 18 (2015) Band 17 (2014) Band 16 (2013) Band 15 (2012) Band 14 (2011) Band 13 (2010) Band 12 (2009) Band 11 (2008) Band 10 (2007) Band 9 (2006) Band 8 (2005) Band 7 (2004) Band 6 (2003) Band 5 (2002) Band 4 (2001) Band 3 (2000) Band 2 (1999) Band 1 (1998)
Band 3 Band 2 Band 1
Wie werde ich AutorRichtlinienRezensionsangebote
Volltextsuche