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Adelheid Stephan
Die aristotelische Katharsis in rezeptions­ästhetischer und erkenntnis­theoretischer Perspektive
 
Hamburg: Dr. Kovac Verlag 2014, 198 S. (= BOETHIANA - Forschungsergebnisse zur Philosophie Bd. 99), EUR 75.00

Im Diskurs über die Dichtkunst begegnete Aristoteles dem strengen Moralismus Platons, auf den Dionysien lediglich eine gereinigte Zweck­poesie zuzulassen, mit einem gemäßigten Realismus durch seine Schrift Περι Πoιητικής („Über die Dichtkunst“), in der er die erste Tragödien­definition mit der Setzung der κάθαρσις als rezeptions­ästhetisches Prinzip verfaßte. Die um den Begriff der κάθαρσις entstandene Problematik erforderte vor dem Hintergrund ihrer anthropologischen, gesellschafts­bezogenen und kulturpolitischen Bestimmung, die historisch begleitenden kulturpolitischen Prägungen und Philosophiekonzeptionen einzubeziehen, da diese für die Setzung der κάθαρσις als Prinzip der Tragödie zugleich als die entscheidenden Wegbereiter zu sehen sind. Im VIII. Buch der Politik kündigt Aristoteles eine κάθαρσις–Theorie an. Diese Theorie ist gemäß der Forschung entweder nicht geschrieben, nicht gefunden oder verloren gegangen. Als Folge dessen hat sich bis in unsere heutige Zeit ein spekulativer Umgang mit der Problematik der κάθαρσις erhalten. Aufgrund dieser Sachlage widmet sich die vorliegende Forschungsarbeit mit dem Titel „Die aristotelische κάθαρσις in rezeptions­ästhetischer und erkenntnis­theoretischer Perspektive“ einem neuen Lösungsweg, dem rezeptionsästhetische als auch erkenntnis­theoretische Fragestellungen zugrunde liegen. Es geht hierbei um Fragestellungen, die gemäß aristotelischer Methodik für den Menschen zweckdienlich als Gewinn zur Erlangung individueller Selbsterkenntnis gelten und im Sinne einer Erhebung zur persona grata zu würdigen sind.

Die Frage, ob die Tragödientheorie Aristoteles’ mit der Setzung der κάθαρσις losgelöst von ihren zeitgeschichtlichen, spannungsreichen kultur- und gesellschaftspolitischen Turbulenzen entstanden wäre, ist zu verneinen. Gerade im Hinblick auf die entwicklungsgeschichtlichen Verhältnisse seiner Zeit (Abkehr vom Mythos, politische Interessens­sphären, sophistische Aufklärung) sah sich Aristoteles herausgefordert, über die Dichtkunst - das Massenmedium jener Zeit, ein ordnungs­gebendes Prinzip als Individualwert für den kriegsbelasteten Polisbürger, gleichsam als ein Manifest der Humanität zu postulieren. In dieser Hinsicht hat die Arbeit den Anspruch, die aristotelische κάθαρσις als Methode individueller Selbsterkenntnis im Kontext der ihr zugrunde liegenden philosophischen Theorie und ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz zu erhellen.

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